Begriffe:    Karate-Do, Kata, Kumite

Ursprung und geistige Inhalte des Karate                                                     

"Karate entstand vor mehr als tausend Jahren, als der buddhistische Mönch und Begründer des Zen, Daruma (Boddhidarma oft auch Bodhidharma geschrieben), im Kloster Shao Lin in China lebte. Er unterwies seine Schüler in körperkräftigenden Übungen, die Ausdauer und Stärke verleihen sollten, denn die harte Disziplin ihrer Religion verlangte eine kräftige Konstitution. Diese Körperschule wurde dann weiter entwickelt und als Shao-Lin-Kampfkunst bekannt. Chinesen brachten sie später im 13. Jahrhundert - nach Okinawa, wo sie sich mit den einfallsreichen Kampftechniken dieser Insel vermischte.

Als der Herrscher des Inselreiches und der spätere Feudalherrscher von Kagoshima den Waffenbesitz verboten, förderten sie ungewollt die Entwicklung des 'Kämpfens mit leeren Händen' als Selbstverteidigung. Diese Budo - oder Kampfkunst wurde aufgrund ihrer chinesischen Herkunft Karate genannt, geschrieben mit den Schriftzeichen, die wörtlich 'chinesische Hand' besagten. Der moderne Meister dieser Kunst, Funakoshi Gichin, der 1955 im Alter von 88 Jahren starb, änderte die Schriftzeichen in der Weise, dass sie nunmehr - bei gleicher Aussprache - “leere Hände” bedeuteten. Funakoshi wählte diese Deutung bewusst wegen ihres Sinngehaltes in der zen-buddhistischen Philosophie. Für den Meister war Karate eine Kampfkunst, gleichzeitig aber auch ein Weg ('Do'), den Charakter zu formen. Er schrieb: 'So, wie die blanke Oberfläche eines Spiegels alles wiedergibt, was vor ihm steht, und wie ein stilles Tal selbst den schwächsten Laut weiterträgt, soll der Karateschüler sein Inneres Leermachen von Selbstsucht und Boshaftigkeit, um in allem, was ihm begegnen konnte, angemessen zu handeln. Das ist mit kara oder “leer” im Karate gemeint."

(Aus: Masatoshi Nakayama: Ka-rate-Do, S. 14, erschienen im Budo-Verlag, Sprendlingen bei Frankfurt/M.).

Viele unterschiedliche philosophisch-religiöse Lehren haben Einfluss auf das Karate genommen, so z. B. Hinduismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Taoismus, Shintoismus und Zenbuddhismus, auch wenn sie heute nur noch unterschwellig vorhanden sind. Aber der im chinesischen Shaolinkloster durch Bodhidharrna verbreitete Zen-Buddhismus (von chin. Chan, ind. Dhyana = Versenkung) hat den größten Einfluss aller religiös-philosophischen Lehren auf das Karate genommen. Absichtslosigkeit und Spontaneität im Tun, vollständige Verneinung irgendwelcher Dogmatik sowie keinerlei Fixierungen auf Autoritäten, sondern Betonung der je individuellen inneren Erfahrung, die man (auch) durch Zazen, das stille Sitzen im Lotussitz bei halbgeöffneten Augen, erwerben kann, sind seine Charakteristiken. Nicht Abtötung der Sinne zur Vorbereitung auf das Jenseits, sondern ihre immer deutlichere Schärfung zur umfassenden bewussten Erfahrung des Hier und Jetzt sind seine Inhalte, die mit paradoxen Mitteln in 'zielgerichteter Ziellosigkeit' angestrebt werden. 'Der Weg ist das Ziel', 'Zen beginnt mit dem, was Du gerade tust', 'Tue das, was Du tust, ganz' lauten typische Aussprüche über Zen. Die verobjektivierende und das 'Ich' vom Weltganzen isolierende Tätigkeit des Intellekts soll in logisch nicht lösbare Widersprüche verwickelt und dadurch überwunden werden zugunsten einer schließlich spontan und natürlich erfolgenden, alles überwältigenden Erleuchtung (Satori). Dazu soll der Geist von allen Inhalten, letztlich auch von dem Willen, die Erleuchtung zu erlangen, befreit und 'leer' gemacht werden: 'Es sei kein Hauch zwischen Denken und Tun!' Die Sinne zur Selbst- und Fremdwahrnehmung werden geschärft, der Geist (= Bewusstsein) von allen inneren und äußeren ablenkenden Einflüssen entleert, so dass er nur noch die Realität, so wie sie sich in der momentanen Situation darstellt, wiederspiegelt. Dabei ist es möglich, jede Schrecksekunde, die immer ein Haften am 'Ich' voraussetzt, auszuschalten und eine so große realitätsgerechte Handlungsspontaneität zu erreichen, dass in der Tat 'kein Hauch mehr ist zwischen Denken und Tun' Dies alles sind natürlich überragende Eigenschaften für einen Kampfer... Die Trainingsmethodik, sich in unzähligen Wiederholungen von Technikserien einer Idealtechnik anzunähern, dabei den Umweg über den Intellekt zu vermeiden, und schließlich eine spontane, automatisierte und unglaublich schnelle Karatemotorik zu erreichen, hat sicherlich ihre Wurzeln im Zen... Die 'leere Hand' (= Karate) und der 'leere Geist des Zen sind dann in einem 'Weg' (= Do) vereint. Dann kann man zu Recht sagen, Zen und Karate sind eins.'

(Aus: Axel Binhack und Efthimios Karamitsos: Karate-Do, Philosophie in der Bewegung; S. 21/22, Druck: Druckerei Lokay, Reinheim).

Karate-Do 
Karate-Do ist eine "Quelle unerschöpflicher, faszinierender Kraft für den Menschen". Kara = leer, nackt, unbewaffnet, te = Hand, "Weg der leeren Hand". Der Ursprung des heutigen Karate liegt in den beiden okinawanesischen Systemen des Shorin-ryu und Shorei-ryu. Stationen der geschichtlichen Entwicklung des Karate sind Indien, China, Okinawa und Japan. In Europa begann die Geschichte des Karate 1948 in Paris, nachdem der europäische Karate-Pionier Henri Plée in der Zeitschrift "Life" einen Artikel über Karate gelesen hatte. Plée war der Initiator für die Entsendung (1957) der ersten hochqualifizierten japanischen Instruktoren (u.a. Hiroo Mochizuki / Tetsuij Murakami) nach Frankreich. Karate ist eine Kampfkunst, in der alle Gliedmassen hauptsächlich in Tritten, Stößen und Schlägen zum Angriff und zur Verteidigung eingesetzt werden. Ziel des Karate ist es, in der körperlichen und geistigen Auseinandersetzung mit dieser Kampfkunst, unter Achtung des sportlichen Gegners, die Persönlichkeit zu entfalten. Das frühere Karate bestand nicht aus mehreren Stilen, sondern einfach nur aus persönlichen Interpretationen und Schwerpunktlegungen der Meister. Diese wurden in einer individuellen Kata festgehalten. Die Kunst, die ein Meister lehrte, trug oft einfach seinen Namen und die Schüler fügten später ihre Namen hinzu. Durch Karate werden alle körperlichen, mentalen und geistigen Kräfte angesprochen. Hände, Füße, Knie und Ellenbogen werden trainiert und gekräftigt, so dass sie gefährliche Waffen darstellen, mit denen man sich in einer Notsituation wirksam selbst verteidigen kann. Karate ist bestens geeignet, dem täglichen Stress entgegenzuwirken und den Körper topfit zu erhalten. Das Training steigert ganz allgemein das Wohlbefinden, kräftigt die Gesundheit und gibt Selbstvertrauen. Karate lässt sich aber nur durch regelmäßiges, diszipliniertes Training erlernen und erfahren. Jede/r gewinnt aus Karate genau so viel, wie er/sie für das Training an Hingabe und Mühe aufwendet. 

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Kata
Kata sind eine Zusammenstellung von Abwehren (Uke), Schlagtechniken (Uchi-waza), Fauststößen (Tsuki) und Trittechniken (Geri) in logischer und fester Reihenfolge, die in vorgeschriebenen Richtungen ausgeführt werden müssen. Es sind aufeinanderfolgende Bewegungen, die der Karateka erlernt, um den Rhythmus und die Koordination der Techniken zu begreifen. Kata stellt einen Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner dar. Schnelligkeit, Kraft, Flexibilität und Rhythmus, Korrektheit der Technik und Zielgenauigkeit sind Schlüsselfaktoren bei der Ausführung einer Kata, bei der Stand- (Dachi) und Körperstellungen (Shisei) sich ständig verändern. Die vorgeführten Kata werden von den einzelnen Schiedsrichtern mit Punkten bewertet. Für das Finale qualifizieren sich die Besten mit den höchsten Noten. Für die Medaillenvergabe zählt ausschließlich die Finalnote. Die tiefste und höchste Bewertung jeder Runde werden jeweils gestrichen. Die ausgeführten Techniken zielen mit genau bestimmter Kraft auf die vitalen Punkte (Atemi-waza). In einer Kata werden verschiedene Techniken innerhalb einer oder eineinhalb Minuten ausgeführt. Jede Kata enthält zwei bis vier genau festgelegte Techniken, bei denen der Kampfschrei (Kiai) ausgestoßen wird. Im 19. Jahrhundert gab es auf Okinawa 24 Kata, verteilt auf die Schulen Shuri-te, Naha-te und Tomari-te. Früher wurden die effektivsten Techniken des Karate in den Kata verschlüsselt / miteinander verbunden. Man lehrte sie nur über den Körper, so gab es keine Schriftstücke die entwendet werden konnten. Um die Techniken zu tarnen entstand in Okinawa das sog. "Meikata“, eine tänzerische Aufführung der Kata, die jedoch die eigentliche Kata geschickt tarnte. Die Überlieferung von Kampfkünsten in Form eines Tanzes ist auch in anderen Kulturkreisen zu finden. Bereits die Griechen im antiken Sparta und Athen praktizierten den Waffentanz "Pyrrh'iche" ohne Gegner. In Brasilien entstand das Capoeira, das die aus Afrika verschleppten Sklaven entwickelten. Es ist unabdingbar, stets den Bezug von der praktizierten Kata zur realen Selbstverteidigung und dem Kumite bewusst herzustellen. Kata ist nur dann Kata, wenn ihr Praxisbezug deutlich wird, ansonsten handelt es sich um eine Form ohne Inhalt.

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Kumite 
Unter Kumite versteht man Kampfübungen, bei denen die in der Grundschule (Kihon) und den Kata erlernten Angriffs- und Abwehrtechniken ihre praktische Anwendung erfahren. Die ausgeführten Techniken müssen immer vom Hintergrund des Budo-Gedankens, den Gegner mit einer einzigen Technik (lkken hissatsu) außer Gefecht zu setzen, praktiziert werden. Im Gegensatz zum Judo, bei dem Wurf- und Würgetechniken dominieren, wird bei Karate der Gegner ausschließlich mit blitzschnell ausgeführten Faust- und Fußtechniken attackiert. Eine Verletzung des Gegners gilt als Regelverstoß, welche mit Disqualifikation geahndet werden kann. Kampfsysteme, deren Wettkampfordnung die Trefferwirkung gestattet oder beabsichtigt, fallen nicht unter den Begriff "Karate" im Sinne des SKV. Hierzu zählen Boxen, Kick-Boxing, Thai-Boxing, Kyokushinkai-Karate sowie Leicht- und Kontaktkarate. Der SKV, seine Sektionen und deren angeschlossenen Dojo sind verpflichtet, Karate ausschließlich im Sinne der SKV- Statuten zu betreuen und zu betreiben. Der SKV pflegt Karate als eine Amateursportart allein nach sport- und gesundheitsspezifischen Maßstäben in den Disziplinen Kumite und Kata. Er ist an keinen Stil gebunden. Er betreut und fördert jedoch die ihm angeschlossenen Stilrichtungen. Der Hauptzweck - wie in der Kata - ist das Vervollkommnen der eigenen Geschicklichkeit (Technik, Taktik), nicht die Niederlage des Gegners. So ist es auch völlig unnütz, sich immer wieder mit anderen vergleichen zu wollen. Der einzige nützliche Vergleich ist das Maß des persönlichen Fortschritts. Auch ein schon starker Kämpfer muss von jüngeren Kämpfern lernen. Er sollte nicht zufrieden sein, sie von zehn Mal neun Mal geschlagen zu haben, sondern er sollte sich mit dem zehnten Kampf beschäftigen, den er verloren hat. In einem echten Kampf z.B. mit scharfen Messern könnte dieser Kampf die Nummer eins gewesen sein, und er wäre tot, besiegt von einem Anfänger. Die Gesamtzeit der Wettkämpfe beträgt sowohl in den Ausscheidungs- als auch den Finalkämpfen drei Minuten. Ein(e) Kämpfer(in) kann den Kampf vorzeitig für sich entscheiden, wenn das Punktetotal von drei Ippons (ganze Punkte) bzw. 6 Wazaaris (halbe Punkte) vor Ablauf der Zeit erreicht wird. Im Karatesport gibt es folgende Möglichkeiten einen Kämpfer(in) zu verwarnen: 1. Verwarnung infolge unkontrollierter bzw. verbotener Technik (Hansoku Chui) 2. Verwarnung infolge Übertreten des Kampffeldes (Jogai Chui) 3. Verwarnung infolge passivem Verhalten (Mubobi Chui). Die Verwarnungen können in verschiedenen Abstufungen ausgesprochen werden: 1. Persönliche Verwarnung (keine Wertung) 2. Keikoku (bei dieser Verwarnung erhält der Gegner einen halben Punkt) 3. Chui (bei dieser Verwarnung erhält der Gegner einen ganzen Punkt) 4. Hansoku (Disqualifikation - der Gegner gewinnt)

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